Solaranlage mieten? Ein Geschäftsmodell mit nur einem Gewinner…

Es gibt diverse Anbieter auf dem Markt, die einem eine Solaranlage zur Miete anbieten. Versprochen wird dabei recht viel: keine Kosten für die Anlage, geringere Energiekosten und natürlich die überall so beliebten “Rundum-sorglos-Pakete”. Versucht man allerdings an genauere Daten zu den Verträgen und Bedingungen zu gelangen so stellt man schnell fest, dass diese entweder sehr gut versteckt oder überhaupt nicht zugänglich sind.

Warum das so  ist, erläutern wir in diesem Artikel. Wir schauen uns einmal das Rechenbeispiel einer solche, gemieteten Solaranlage an und zeigen die “Fallstricke” auf. Außerdem vergleichen wir das Mietmodell mit der klassischen Art, die Solaranlage einfach selber zu kaufen.

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Solaranlage mieten – die Versprechen der Anbieter

Neben einem “Rundum-sorglos-Paket” versprechen einem die Anbieter natürlich auch, dass man mit ihrer gemieteten Solaranlage am Ende des Monats/Jahres insgesamt weniger Stromkosten hat als ohne.

Nehmen wir einmal ein Rechenbeispiel aus der Praxis: Ein normaler Haushalt mit 4.000kWh Jahresverbrauch.
Bei einem Energiepreis von 26 Cent/kWh bedeutet dies Stromkosten in Höhe von 1040,- EUR pro Jahr oder 86,- EUR pro Monat.

Eine 3.500kWp Anlage zur Miete kostet beim Anbieter “DZ-4” beispielsweise 64,- EUR pro Monat.

Jetzt ist es aber wichtig zu beachten, dass uns diese Anlage natürlich nicht die gesamten Energiekosten spart sondern nur einen Teil.

Bei diesem Beispiel  (mit 4.000kWh Jahresverbrauch) und einer 3.500kWp Anlage kann man von einer Eigenverbrauchsquote von etwa 40% ausgehen. Das bedeutet von den insgesamt 3.500kWh die von der PV Anlage pro Jahr erzeugt werden, können wir 1.400 kWh direkt verbrauchen. Die restlichen 2.100kWh werden ins Netz eingespeist und mit der EEG Einspeisevergütung (Stand 04/2021: 8 Cent/kWh) vergütet.

Durch den Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung spart uns die Anlage rund 420,- EUR pro Jahr ein. Wir müssen allerdings noch 2.600kWh dazukaufen, die uns zusätzliche 676,- EUR kosten. Am Ende kommen wir also auf verbleibende Stromkosten von 21,- EUR pro Monat.
Hier müssen wir die Anlagenmiete von 64,- EUR hinzuaddieren und kommen auf eine Gesamtrechnung von 85,- EUR pro Monat.

Was zeigt uns das?

Rein rechnerisch ist es durchaus möglich, das Versprechen der Anbieter einzuhalten – zumindest bei diesem Angebot für eine Anlage ohne Speicher für 64,- EUR pro Monat. Man sieht aber bereits hier, diese Einsparungen sind extrem gering. Wir reden hier von 1 EUR bis vielleicht 5 EUR pro Monat. Das ist eigentlich nichts, das die Mühe Wert wäre über eine solche Anlage ernsthaft nachzudenken.

Der Vergleich einer solchen Anlage mit einem Haushalt ohne PV Anlage hinkt jedoch gewaltig. Wir wissen doch, dass Photovoltaik an und für sich ein recht lohnendes Geschäft ist – also warum bleibt hier so wenig für uns Kunden hängen?
Ganz einfach, die eigentliche Rendite einer solchen Solaranlage ist ja die, dass sich die Anlage durch ihre Einsparungen in wenigen Jahren selber abbezahlt und anschließend weiterhin “kostenlose” Energie liefert. Das hat man natürlich nicht, wenn man die Anlage mietet und so weiterhin stumpf seine Stromkosten weiterbezahlt. Den Gewinn machen in diesem Fall die Anbieter.

Solaranlage kaufen: mit oder ohne Kredit?

Ein mehr oder weniger wichtiges Argument der Anbieter ist häufig, dass für die Miet-Solaranlage keinerlei Kapital benötigt würde. Im Gegensatz zum Kauf, wo man je nach Anlagengröße mit mehreren Tausend Euro Investition rechnen müsste.
Wie schaut das aber aus, wenn wir uns die Solaranlage ganz einfach über einen Privatkredit finanzieren? In diesem Fall würde ebenfalls kein “flüssiges” Kapital für die Anschaffung benötigt und man käme gleichzeitig in den Genuss aller Vorteile einer eigenen PV Anlage.

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Abb. 1: Gegenüberstellung mieten gegen kaufen

Was muss man eigentlich für unsere Beispielanlage mit 3.500kWp investieren?
Aktuell kann man von einem Durchschnittspreis pro installiertem kWp von 1.300,- EUR ausgehen, das bedeutet, die Anlage würde je nach örtlichen Gegebenheiten zwischen 4.500,- EUR und maximal 5.000,- EUR in der Anschaffung kosten.
Diesen Betrag müsste man für den Kauf zur Verfügung haben – oder aber man finanziert die Anlage über einen Kredit.

Die nebenstehende Grafik stellt die Möglichkeiten noch einmal gegenüber. Die blaue Linie ist die gemietete Solaranlage, diese verursacht jedes Jahr ausschließlich Kosten. Die rote Linie zeigt den Verlauf bei einer gekauften Anlage, man benötigt das Kapital aber anschließend spart man Jahr für Jahr die von der Anlage erwirtschafteten Beträge.

Die gelbe Linie zeigt den Verlauf im Fall eines Kaufs auf Kredit. Wir nehmen hier einen “normalen” Privatkredit mit einer Verzinsung von rund 1,6% und einer Laufzeit von 5 Jahren. Am Ende der 5 Jahre hat man hier ebenfalls die Anlage abbezahlt und dabei rund 160,- EUR Zinsen bezahlt, darum liegt die gelbe Linie im Verlauf immer etwas “hinter” der roten.
In beiden Fällen sieht man aber, dass die Anlage nach knapp 15 Jahren die Investition wieder voll eingespielt hat. Ab dem Zeitpunkt tragen die Jahreserträge zu einer gravierenden Reduzierung der Energiekosten bei.

Solaranlage mit Stromspeicher mieten?

So richtig teuer wird es, wenn man sich eine Miet-Solaranlage mit Stromspeicher “andrehen” lässt! Hier gibt es z.B. von DZ-4 Solar ein Angebot was wie folgt ausschaut:
3.500kWp Solaranlage mit 4kWh Stromspeicher für 119,- EUR pro Monat.

Wir wissen ja bereits, dass unsere 3.500kWp Anlage maximal 5.000,- EUR kostet. Der zusätzliche Stromspeicher mit 4kWh Kapazität würde beim Kauf zusätzliche 1.500,- EUR kosten. Macht also einen Komplettpreis für die hier angebotene Anlage von etwa 6.500,- EUR

Wie teuer uns eine solche Anlage nach 15 Jahren kommt, zeigt die nebenstehende Grafik. Wir bezahlen nur für die Option “Stromspeicher” rund 9.800,- EUR mehr also für die gleiche Anlage ohne Stromspeicher…

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Gegenüberstellung Solaranlage mit Stromspeicher

Nehmen wir wieder unser Rechenbeispiel von vorhin: Ein Haushalt mit 4.000kWh Jahresverbrauch und damit Stromkosten in Höhe von 1040,- EUR pro Jahr oder 86,- EUR pro Monat.

Durch den Stromspeicher erhöht sich die Eigenverbrauchsquote auf etwa 60%, das bedeutet also von den insgesamt 3.500kWh die von der PV Anlage pro Jahr erzeugt werden, können wir in diesem Fall 2.100 kWh direkt verbrauchen. Die restlichen 1.400kWh werden ins Netz eingespeist und mit der EEG Einspeisevergütung (Stand 04/2021: 8 Cent/kWh) vergütet.

Durch den Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung spart uns die Anlage mit Speicher rund 490,- EUR pro Jahr ein. Wir müssen noch 1.900kWh dazukaufen, die uns zusätzliche 494,- EUR kosten.
Wir sehen also, dass uns die Anlage mit Speicher ungefähr so viel Geld einspart, wie wir an Energie dazukaufen müssen.

Das Problem: Wir bezahlen dafür ja monatlich eine Anlagenmiete von 119,- EUR und das sind 33,- EUR pro Monat mehr, als wir vorher bezahlt haben.

Eigene Solaranlage: Die bessere Alternative

Es gibt vergleichsweise viele Anbieter für Miet-Solaranlagen. Auch wenn die Beispiele und Preise in diesem Artikel von der Firma “DZ-4” stammen, so sind die Angebote anderer Anbieter stets sehr ähnlich.
Die “Masche” ist übrigens auch immer sehr ähnlich: Ihr füllt einen “Solar-Check” aus und bekommt dann entweder direkt eine grobe Kalkulation darüber, was euch die Anlage kostet und wie viel ihr damit einsparen könnt oder aber ihr müsst eure Daten angeben und werden dann vom jeweiligen Anbieter für ein “maßgeschneidertes Angebot” per Telefon kontaktiert.

Die grundsätzlich bessere Alternative ist es, sich bei einem Anbieter für Solaranlagen ein Angebot für den Kauf geben zu lassen. Wenn das nötige Kapital nicht zur Verfügung steht, ist auch ein Kredit für Summen bis ca. 10.000,- EUR vergleichsweise einfach und günstig zu bekommen.

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Eine Solaranlage sollte man grundsätzlich kaufen

Bedenkt einfach immer, dass die eigene Solaranlage stets in eure Tasche wirtschaftet, wohingegen die gemietete Anlage stets in die Tasche des Anbieters wirtschaftet – egal was er euch erzählen will.

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Letzte Aktualisierung: 13.04.2021

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